EU-Zulassung für Ribociclib als Erstlinientherapie des HR+/HER2-, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Mammakarzinoms

Die Europäische Kommission hat Ribociclib (Kisqali®) in Kombination mit einem Aromatasehemmer zur Behandlung von postmenopausalen Frauen mit einem Hormonrezeptor-positiven, humanen epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor-2-negativen (HR+/HER2-), lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Mammakarzinom als initiale endokrin basierte Therapie für den europäischen Markt zugelassen.

Die EU-Zulassung folgt einer im Juni vom Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) abgegebenen positiven Stellungnahme. Basis des Votums war die überlegene Wirksamkeit und nachgewiesene Sicherheit [1,2] von Ribociclib plus Letrozol versus Letrozol allein in der Phase III-Zulassungsstudie MONALEESA 2. Die Stellungnahme enthielt eine Empfehlung zur flexiblen Kombination von Ribociclib mit einem Aromataseinhibitor (d.h. Letrozol, Anastrozol oder Exemestan), der nach dem Ermessen des behandelnden Arztes am besten für den individuellen Patienten geeignet ist.

„Fortgeschrittener Brustkrebs ist immer noch unheilbar. Daher ist es wichtig, gleich nach der Erstdiagnose mit einer wirkungsstarken Therapieoption zu beginnen“, erklärt Prof. Dr. Wolfgang Janni von der Universität Ulm und Leiter der klinischen Prüfung von MONALEESA-2 in Deutschland. „Ich freue mich, dass Frauen in Europa mit HR+/HER2- fortgeschrittenem Mammakarzinom in der Erstlinie mit Ribociclib in Kombination mit Letrozol behandelt werden können. Es konnte ein progressionsfreies Überleben von über zwei Jahren in der Zulassungsstudie MONALEESA 2 gezeigt werden.“

MONALEESA-2: Überlegene Wirksamkeit von Ribociclib plus Letrozol

An MONALEESA 2 nahmen 668 postmenopausale Frauen mit HR+/HER2- lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Mammakarzinom teil, die zuvor keine systemische Therapie erhalten hatten. Die Studie zeigte, dass Ribociclib plus dem Aromatasehemmer Letrozol das Risiko für Progression um 44% gegenüber Letrozol allein reduzierte [1]; das mediane PFS betrug 25,3 Monate (95%-Konfidenzintervall (KI):23,0–30,3) vs. 16,0 Monate (95%-KI: 13,4–18,2) (Hazard Ratio (HR):0,568 (95%-KI: 0,457–0,704; p<0,0001)) [2]. Bei etwa drei von vier Patientinnen (76%) mit messbarer Erkrankung, die Ribociclib plus Letrozol einnahmen, reduzierte sich die Tumorgröße nach acht Wochen [3] und mehr als die Hälfte (55%) erzielte im Verlauf der Behandlung eine Tumorverringerung um mindestens 30% [2].

Die erste Zwischenanalyse bezüglich des Gesamtüberlebens (OS) zeigte einen positiven numerischen Trend: Das mediane OS im Ribociclib plus Letrozol-Arm war noch nicht erreicht und lag unter Letrozol alleine bei 33 Monaten (HR:0,746 (95%-KI: 0,517–1,078; p=0,059)). Dieser Unterschied ist nicht statistisch signifikant und die Nachbeobachtung der Studie wird mit weiteren vorab spezifizierten Analysen bezüglich des Gesamtüberlebens fortgeführt [2].

Neue Therapieoption für das fortgeschrittene Mammakarzinom

Bei bis zu einem Drittel der Mammakarzinom-Patientinnen im Frühstadium kommt es anschließend zu einer fortgeschrittenen Erkrankung, für die es zurzeit keine Heilung gibt [4]. Weltweit wird jedes Jahr bei schätzungsweise 250.000 Frauen ein fortgeschrittenes Mammakarzinom diagnostiziert [5]. In Deutschland wird die Zahl der Brustkrebs-Neuerkrankungen bei Frauen für das Jahr 2016 auf 65.500 geschätzt. Insgesamt macht hier das Mammakarzinom 31,3% aller Krebserkrankungen der Frau aus [6].

Ribociclib kann oral einmal täglich unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 600 mg (drei Filmtabletten zu je 200 mg) für drei Wochen, gefolgt von einer einwöchigen Therapiepause. Ribociclib wird in Kombination mit der dauerhaften Gabe eines Aromatasehemmers eingenommen.

Europäische Zulassung folgt US-Entscheidung

Die Zulassungsentscheidung der Europäischen Kommission gilt für alle 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union plus Island, Norwegen und Liechtenstein. Weltweit werden weitere Zulassungsanträge bei den zuständigen Zulassungsbehörden eingereicht.

Im März 2017 wurde Ribociclib von der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) in Kombination mit einem Aromatasehemmer als Therapie für metastasierten Brustkrebs zugelassen. Ribociclib in Kombination mit Letrozol wurde in die Richtlinien für die klinische Praxis in der Onkologie des National Comprehensive Cancer Network® (NCCN Guidelines®) als Option der Kategorie 1 bei postmenopausalen Patientinnen mit HR+/HER2- metastasiertem Mammakarzinom aufgenommen [7].

Quelle: Novartis Oncology Pressemitteilung „Novartis erhält EU-Zulassung für Kisqali® (Ribociclib) als Erstlinientherapie des HR+/HER2-, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Mammakarzinoms“, 28. August 2017; Autor: Novartis Pharma GmbH.

Referenzen:
[1] Hortobagyi GN, et al.: Ribociclib as first-line therapy for HR-positive, advanced breast cancer. N Engl J Med 2016; 375:1738–1748.
[2] Hortobagyi GN, et al.: Updated results from MONALEESA-2, a phase III trial of first-line ribociclib plus letrozole in hormone receptor-positive HER2-negative advanced breast cancer. ASCO 2017, Chicago, Illinois: Abstract #1038.
[3] André F, et al.: Ribociclib + letrozole for first-line treatment of HR+, HER2– ABC: efficacy, safety, and pharmacokinetics. EORTC-NCI-AACR (International Conference on Molecular Targets and Cancer Therapeutics) 2016, München, Deutschland: Poster 12LBA.
[4] O’Shaughnessy J, et al.: Extending survival with chemotherapy in metastatic breast cancer. The Oncologist 2005; 10(Suppl 3):20–29.
[5] Buckley N, et al.: Breast Cancer. Decision Resources. 2011: 1-301.[6] Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland / Robert Koch-Institut: Krebs in Deutschland 2009–2010: Häufigkeiten und Trends: Brustdrüse der Frau. 10. Auflage 2015.
[7] NCCN Clinical Practice Guidelines in Oncology (NCCN Guidelines®) for Breast Cancer V.2.2017. ©National Comprehensive Cancer Network, Inc. 2017. All rights reserved. Letzter Zugriff: 7. April 2017. Die aktuellste und vollständige Version der Leitlinie befindet sich unter NCCN.org. The National Comprehensive Cancer Network makes no warranties of any kind whatsoever regarding their content, use or application and disclaims any responsibility for their application or use in any way.
[8] Fachinformation Kisqali®.



August 2017

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Vulväre intraepitheliale Neoplasie
Präinvasive genitale Läsionen mit erheblich ange stiegener Inzidenzrate

Literaturreferate
GeparQuattro-Studie:
Neoadjuvante Therapie mit Trastuzu-mab bei HER2-positivem Brustkrebs

Capecitabin zu Anthrazyklin- und Taxan-basierter neoadjuvanter Therapie bei primärem Brustkrebs

Paclitaxel dosisdicht bei fortgeschrittenem Ovarialkrebs